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Von Himmelsduft und Höllengestank

Zum letzten Sonntag in der sogenannten Schöpfungszeit:

Nachdem in den letzten Jahren Ohren, Mund und Augen von der OeKU (Oekumenische Arbeitsgemeinschaft Kirche und Umwelt) in der kirchlichen Schöpfungszeit vom 1. September bis zum 4. Oktober thematisiert wurden, ist es an der Zeit, sich dem – in meinem Erleben – empfindlichsten Sinnesorgan zuzuwenden: DER NASE. Mehr noch als mich schreckliche Bilder im Fernsehen, auf Fotos oder gar reell erlebt belasten, sind es schlechte Düfte, die mir postwendend erbarmungslos zusetzten. Beim Geschmack oder Duft (oder besser Gestank) nach «faulen Eiern» wird mir unweigerlich speiübel und der Würg- und Brechreiz setzt unmittelbar ein. Dem bin ich gnadenlos ausgeliefert und ich muss wirklich wegrennen, nach draussen oder irgendwohin, an die frische Luft!

Auch Kopfweh, Husten, Gliederschmerzen in der Nacht sind für mich auszuhalten. Nur nicht eine verstopfte Nase. Wenn ich nicht mehr frei atmen kann, werde ich rasend. Ich werde aus dem Bett getrieben, tigere umher, suche verzweifelt nach Vicks, nach Nasenspray oder in der grössten Not nach dem Inhaliergerät, um meine Nase dem heissen Dampf mit ätherischen Ölen auszusetzten, dass es nur so hustet, tropft und erlösend «säufert»; bis ich irgendwie den Durchbruch geschafft habe und wieder einigermassen durch dieses wunderbare Organ den Atem ziehen kann!
Nicht vergebens siedelten die alten Hebräer den Näfäsch, den göttlichen Lebensodem, jenen Lebensgeist, den Gott höchstpersönlich dem Adam – dem mit den Händen erschaffenen, «getöpferten» Erdling – in die Nase geblasen hat, im Bereich des Kehlkopfes an. Dort wo Nasen- und Rachenöffnung zusammenfinden. Der Lebendige tat dies, damit die Erdskulptur nicht als schöne Gartenzier – gleichsam Eden verschönernd – oder, wie bspw. Michelangelos David in Florenz, sinnlos herumstehe. ER wollte, dass das Ding oder der Kerl auch lebe. Vielleicht der grösste Fehler seines Lebens!?

Frei atmen können heisst unbeschwert leben. Das allein macht Freude und Lust. Wenn wir es auch viel zu oft einfach selbstverständlich unbeachtet tun, es ist mit jedem Herzschlag und jedem Atemzug das einzige, was wir im Leben wirklich besitzen können – die Gegenwart.
Wie es in den Schöpfungspsalmen wiederholt heisst: «Verbirgst du dein Angesicht, erschrecken sie, nimmst du ihren Atem weg, kommen sie um und werden wieder zu Staub.»

Von Gerüchen und Düften ist in der Bibel oft die Rede. Sie spielen in den Beziehungen zu anderen Menschen, zur Welt und zu Gott eine wichtige Rolle. Gerüche werden Gott aber unangenehm, wenn liturgischer Wohlgeruch und Handeln nicht übereinstimmen (Jesaja 1,11-17; Jeremja 6,20; Am 5,22-24). So etwas stinkt zum Himmel. Stimmen Glauben und Handeln aber überein, sagt Paulus, werden wir zu «Christi Wohlgeruch, zum Geruch des Lebens, der das Leben bringt» (2. Kor 2,15f).

Die Schöpfungs-Zeit bietet die Gelegenheit, den urtümlichen und geheimnisvollen Geruchssinn neu zu entdecken und zu üben – in der freien Natur und in sinnlichen Gottesdiensten. Bestimmt auch hier und da in unseren Kirchen und Gottesdiensten in dieser Schöpfungszeit.

Viele gute herbstliche Gerüche dazu wünsche ich uns allen!